Sonntag, 14. August 2016

Unter uns nur Wolken (Rose Snow) - über die Kraft, die in uns steckt

Zitat:
Ich kapiere jetzt, wie schnell sich alles ändern kann. Von einem Tag auf den anderen verschwindet die Welt, wie sie für dich war, und existiert dann einfach nicht mehr Und plötzlich wird dir klar, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt, dass du nicht in eine beschissene Zeitmaschine steigen und an den Punkt zurück reisen kannst, an dem alles in Ordnung war. (S. 3)
Tom liebt seinen Großvater Florian. Aber Florian leidet an Demenz und unter dem Verlust seiner geliebten Frau. Und da Tom eine Bar/Kneipe führt und Opa Florian alle Pflegerinnen/Alltagsbegleiterinnen vergrault, reibt sich Tom zwischen seinen Aufgaben auf. Ani hat gerade Job, Wohnung und Freund verloren und braucht dringend neue Perspektiven.
Ani wird für Tom zur letzten Chance bei der Betreuung und Tom und Forian ist Anis Rettung vor der Obdachlosigkeit.


Bleibt die Frage wie schwer es Florian den beiden macht, denn er scheint in einer Phase der Demenz zu sein wo ihm der Unterschied zwischen adäquaten Verhalten, bewußt eingesetztem Fehlverhalten und dementiell bedingtem Fehlverhalten absolut bewußt ist... und er das auch einsetzt. - da haben die beiden Autorinnen voll in die Ideenkiste gegriffen, teilweise schon fast makaber. Das lest ihr am Besten selbst, denn sonst würde ich hier viele Pointen nehmen.
Dabei gelingt es Florian auch, Ani zu vergraulen. Aber diesmal lässt Tom nicht locker, denn er hat Gefühle für sie entdeckt, die er sich zunächst nicht eingesteht. Und auch Ani kehrt letztlich bereitwillig zurück, da sie Tom (und Florian) vermißt hat.

Toms Eltern spielen in dem ganzen Beziehungsgeflecht eine eher traurige Rolle: viel beschäftigt kümmerten sie sich schon nicht um den eigenen Sohn, wieso also jetzt selbst um den Vater/Schwiegervater kümmern? Ihre Entscheidung steht fest und sie versuchen diese auch durchzusetzen. Befördert werden sie dabei teilweise durch Florians "Ideen".

Letztlich ist es aber Florian, der den Leser am Ende sehr überrascht und eine Entscheidung trifft, die den Weg für Tom und Ani frei macht.
Es ist gut, dass Florian da wohl ganz klar denkt, fühlt und handelt! Welche Entscheidung das ist, das steht im Buch und öffnet die Möglichkeit der Fortsetzung.

LieblingszitateAußer dem Zitat am Anfang gibt es folgende Stellen, die mich berührt haben:

S. 134 Tom (Ich ... ) versuche, diese Krankheit nicht zu hassen, die so viel nimmt und nichts zurück gibt, ...
S. 138 Ani Einfach mal losgehen und so tun, als hätte man ein Ziel, einfach mal losgehen und nicht heulen, einfach mal unterwegs sein auf dieser Reise durch das Leben, das dich immer wieder in Situationen bringt, von denen du dachtest, dass du sie doch endlich auch mal hinter dir lassen könntest.




Mein Fazit

Den Autorinnen ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, das wertschätzend aber auch schmunzelnd mit dem Thema Demenz umgeht. Es kann Ängste im Umgang nehmen. Es kann Verstehen der Krankheit erleichtern. Und es kann berühren!

Das Autorinnen-Duo
Rose (Carmen) und Snow (Uli) schreiben miteinander und ergänzen sich dabei wunderbar. Durch die 2 Köpfe entstehen ganz irre Ideen auf die man alleine niemals kommen kann. (so mein Eindruck).

Die Charaktere

Die Personen sind gut charakterisiert. Wobei mir Florian nicht so ganz "rund" erscheint, was aber daran liegen kann, dass mein Vater nie so war und ich an der Arbeit eher Patienten in späteren Stadien hatte. Mein Vater hat die Demenz versteckt, hat sich zurück gezogen, es wurde aus dem offenen Menschen ein stiller Mensch. So fiel es vielen anfangs gar nicht auf. Und er hat die Demenz verleugnet, "ich bin nicht krank". Er starb nach 12 Jahren Diagnose Demenz mit 75 Jahren in diesem Sommer.

Schreibstil
Die beiden Autorinnen beherrschen verschiedene Genres: Fantasy mit der Reihe "Acht Sinne der Gefühle", Chick Lit in mehreren Büchern und auch die Verbindung der Leichtigkeit der Liebe mit ernsthaftem Thema in "Unter uns nur Wolken" wo auch der Umgang mit Demenz eine wichtige Rolle spielt. Demnächst soll es auch einen Jugendroman geben.

Immer sehr bildhaft und pointiert. Gut zu lesen. Tolle Ausdrucksweise.

Das Cover

Das Cover ist einfach, geradlinig, schnörkellos - und das ist auch gut so!
Der blaue Himmel mit den weißen Wolken, die baumelnden Füße ... da scheint Leichtigkeit im Spiel zu sein - die der Klappentext dann ein wenig vertreibt.
Die Sorglosigkeit, die man hat, wenn man die Füße baumeln lässt, passt nicht ganz zu der angedeuteten Situation von Tom und Ani ... vielleicht aber zu der Situation, die sie sich gemeinsam schaffen.
Und im Buch wird auch der Titel wunderbar herbeigeführt!
  • Taschenbuch: 262 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (19. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1534772391
  • ISBN-13: 978-1534772397

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